Probetermin:

Das Blasorchester Uckerath probt Donnerstags von 20 bis 22 Uhr im Pfarrheim der kath. Kirche in Uckerath.

Neue Musiker sind immer herzlich willkommen!

 

>> Sie befinden sich hier: Start > Blasorchester > Aktivitäten
Das Blasorchester in Aktion

„Allez les bleus“

Das Blasorchester auf großer Fahrt nach Le Pecq

großes Bild mit Legende

Der 11. September 1998, ein Freitag morgen. Es sollte ein ganz besonderer Tag werden in meiner fast zwanzig Jahre währenden Karriere im Blasorchester Uckerath. Zum ersten Mal musste ich vor einem Auftritt daran denken, auch die Zahnbürste einzupacken. Schließlich sollten wir in Le Pecq auftreten. Paris liegt ganz in der Nähe von Le Pecq.

Keinem der Musiker war bekannt, was uns dort erwarten würde. Schon im Vorfeld der Reise gab es einige Probleme und Hindernisse zu überwinden. Die Diskussionen um die Schreibweise von Le Peck über Lä Päck bis hin zu Le Pecq oder darum an der Fahrt überhaupt teilzunehmen dauerten an, aber letztendlich waren die Kritiker überzeugt worden. Wir hatten eine spielfähige Besetzung auf die Beine gestellt, die sich dem Abenteuer Frankreich stellen wollten.

Die Zahnbürste aber war schuld, dass ich an jenem Freitag morgen ein wenig verspätet bei unserem jüngsten Tubisten vorfuhr, um ihn und sein Instrument abzuholen. Das nächste Problem, wie bekomme ich beides in einen Mini, ohne dass ich und mein Gepäck draußen bleibe. Es passte , und weiter ging’s zum Marktplatz nach Uckerath. Dort warteten die anderen auf uns und den Bus. Dieser Bus war von der Stadt Hennef und dem Partnerschaftsverein organisiert worden, wie auch der Rest der Tour.

Außer den offiziellen Vertretern dieser Gremien gesellten sich Vertreter der regionalen politischen Landschaft zur Reisegemeinschaft sowie die gesamte regionale Presse, jeweils einer davon. Wir waren sozusagen für die Unterhaltung zuständig. Die Anreise nach Le Pecq lässt sich kurz und knapp beschreiben -rechts vom Bus fährt der TGV. Angekommen am Ziel unserer (Alp)träume werden wir vom Bürgermeister begrüßt, um dann ins große Chaos zu fallen.

Aus der sicheren Gemeinschaft wurden wir in viele kleine Gruppen gespalten und auf unsere neuen Familien verteilt. Den Abend verbrachten wir dann im Kreise der Gastfamilien. Dort wurden uns einige Geschenke überreicht, von Bestechung dürfte hier keine Rede sein. Anschließend gab es fast in jedem Haus ein mehrgängiges Menü, dass am folgenden Tag genug Gesprächsstoff bot und auch Tage später in den Tageszeitungen positiv erwähnt wurde. Zu früh für einen Musiker begann der Samstag. Morgens mit den siebten oder achten Sonnenstrahlen aufzustehen, um dann an einem Schloss ein Konzert zu geben, ist nichts für einen echten Trompeter, vielleicht für Holzbl..., aber lassen wir das. Da dieses Konzert nahezu unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand, war es eine gute Gelegenheit zu proben. Unseren Gastfamilien und den Offiziellen schien dies verborgen geblieben zu sein, jedenfalls habe ich niemanden gesehen, der vorzeitig den Platz verließ. Im Anschluss an unsere erste Präsentation folgte ein kleiner Höhepunkt dieses Partnerschaftsstädtetreffens. Es wurden Bäume gepflanzt. Und während sich die Regierenden der Städte im Schweiße ihres Angesichts an Hacke und Schaufel versuchten, gaben wir mit der jeweiligen Nationalhymne den Takt an. Während wir die französische und deutsche Hymne geprobt hatten, feierte die spanische Premiere in unseren Reihen. Nach dem Mittagessen spielten wir an verschiedenen Orten der Stadt, aber dass einer unter uns seinen Teller nicht leer gegessen hatte, sollte sich rächen. Es regnete, was einen echten Musiker nicht davon abhält, seine Arbeit auch zu tun.

Am Abend war wieder Familie angesagt. Was im einzelnen dort passierte, würde den Rahmen dieses Berichtes sprengen. Ich möchte auch nicht, dass dabei jemand zu kurz kommt und sich nachher ausgeschlossen fühlt. Jeder hat seine eigene Geschichte, aber es gab auch ein paar gemeinsame Nachtaktivitäten. Zufällig traf man sich in Paris am Trocadero, ganz in der Nähe, wo Lady Di’s Leben ein jähes Ende nahm. Natürlich wurde auch der Eiffelturm besichtigt, und einige sollen am Champs Elysée gesichtet worden sein, um dort zu speisen. Zu Hause wieder angekommen, war die Nacht meistens noch nicht vorbei. So manches Mitbringsel der bekannten Stoßdorfer Firma wurde sogleich auf seine Tauglichkeit hin überprüft. Man munkelt, das irgendwo im deutsch-französischen Kulturaustausch Whiskey getrunken worden sei. Vielleicht entstand diese Situation ja daraus, dass man sich nicht zwischen Rotwein und Kölsch einigen konnte.

Es wird Sonntag, und wir stehen im Regen. Die Besichtigung jenes Schlosses, wo der Graf von Monte Christo entstand, wird zum Belastungstest unserer Uniform. Auch das kann der guten Stimmung im weiteren Verlauf unserer Tour nichts anhaben. Auf Grund dieses feuchten, eher englischen Wetters, wird das Abschlussfest in die nahe gelegene Sporthalle verlegt. 800 (!) Menschen füllen den Raum und lassen es sich bei Paella, Wein, W... und Gesang gut gehen. Der Höhepunkt unserer Reise steht kurz bevor. Noch schnell zwei, drei Rosé, und auf geht’s hoch zur Tribüne. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass wir bei einem Konzert jemals spontanen Applaus für Soli bekommen haben oder gar „standing ovations“. Den Menschen in Le Pecq werden wir wohl noch länger in Erinnerung bleiben, zumal „Allez les bleus“ nicht mehr für die französische Fußballnationalmannschaft allein in Anspruch genommen werden kann. Genau so wird von uns keiner diese Tour vergessen, war sie doch bis dato einmalig. Das Abschied nehmen fiel uns schon schwer, schließlich befanden sich einige Flaschen Roséwein in unserem Gepäck, und auch unsere netten Familien und Freunde zu verlassen war nicht einfach. Die Rückfahrt war aber ganz und gar nicht betrübt. Sogar Roberto Blanco (alias Uwe Wolff) gab eine Kostprobe seines Könnens — ein bisschen Spaß muss sein. Es wurde gemunkelt, dass die Presse ihrer Freiheit beraubt wurde.

Mitten in der Nacht trafen wir wieder in Uckerath ein. Es regnete, und vorbei war ein schönes Wochenende. Für mich persönlich kann ich nur wünschen, dass ich bald wieder an die Zahnbürste denken muss, wenn ich mit dem Blasorchester Uckerath auftrete.

Bernd Schmitz, Uckerath im September 1998

Konzert im Park
| mehr... |
Rudi Alda beim "Bäumepflanzen"
| mehr... |
Besichtigung
| mehr... |
© Blasorchester Uckerath (1950) e.V.